Kohlekraftwerk Mainz         Theaterdach in Mainz  
                     
             
 
   
Alternativen

 

Der wachsende Energiebedarf der Industrienationen, aber auch der Wirtschaftsboom in vielen Schwellenländern, führt zu einer kontinuierlich zunehmenden Nachfrage nach begrenzten Rohstoffen und somit zu steigenden Preisen fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl, Gas oder Uran. Gleichzeitig erleben wir seit einigen Jahrzehnten einen dramatischen Klimawandel. Die logische Konsequenz wäre der Umstieg auf saubere CO2-freie Energiequellen. Seit Anfang der 90er Jahre wird in Deutschland die Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gefördert. Darin werden Netzbetreiber verpflichtet, Regenerativ-Strom zu festgelegten Preisen abzunehmen. Die Preise wurden für verschiedene Technologien jeweils so festgelegt, dass der Bau entsprechender Anlagen wirtschaftlich möglich ist. Gleichzeitig sinkt der Vergütungspreis Jahr für Jahr, um den Förderbedarf zu senken und die erneuerbaren Energien weltweit wettbewerbsfähig zu machen.
Während kurz nach Einführung des EEG behauptet wurde, das Gesetz sei wirtschaftsfeindlich, weil es feste Preise für erneuerbare Energien festlege, hat es mittlerweile seine Effizienz bewiesen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der bundesdeutschen Stromproduktion steigt Jahr für Jahr und verdrängt damit Atom- und Kohlestrom.

Gleichzeitig profitieren in Deutschland Wirtschaft und Arbeitsmarkt, denn dank des frühzeitigen Engagements ist Deutschland Weltmarktführer in den Bereichen Sonnen- und Windenergie. Und dies liegt keineswegs daran, dass die meisten regenerativen Projekte etwa in Deutschland realisiert würden. 2005 wurde mit 2424 MW die höchste Leistung an Windenergie in den USA aufgestellt. In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum 1808 MW. Inzwischen hat der Sektor der erneuerbaren Energien rund 235.000 Arbeitsplätze geschaffen — weit mehr als es jemals in der Atomindustrie gab. Kein Wunder, dass nun viele Länder weltweit das EEG in einer ähnlichen Form einführen.

Und in Mainz?

Die Verwendung von regenerativen Energien ist also schon längst keine Utopie mehr. In der Kombination mit dem sehr effizienten Gas- und Dampfkraftwerk, welches es in Mainz bereits seit 2001 gibt, mit dem bereits gut ausgebauten Fernwärmenetz, das vom Müllkraftwerk gespeist wird und der realistischen Einsparung von Energie, wäre die Energieversorgung in Mainz schon fast gesichert. Ganz ohne Kohlekraftwerk!

Auch bundesweit wird immer mehr auf erneuerbare Energien gesetzt:

Entwicklung der Sptromerzeugung

Ergänzend zu den bestehenden Energiequellen und den erneuerbaren Energien wären sowohl dezentrale Blockheizkraftwerke, als auch ein weiteres Gas- und Dampfkraftwerk denkbar.

Dezentrale Blockheizkraftwerke sind besonders wegen ihrer flexiblen Handhabung und des guten Wirkungsgrades zu empfehlen. Dieser liegt bei 80 bis 90 Prozent, also deutlich höher, als beim geplanten Kohlekraftwerk: nur ca. 46 Prozent der eigesetzten Energie werden hier in Strom umgewandelt, fast die gesamte Abwärme geht ungenutzt verloren! Blockheizkraftwerke sind dagegen wegen ihrer deutlich höheren Effizienz umweltschonend und können bei größerem Bedarf – zum Beispiel bei Kälteperioden – auch kurzfristig eingesetzt werden. Neben Erdgas können Blockheizkraftwerke auch mit Holzhackschnitzeln und Holzpellets befeuert werden. Da es sich hierbei um nachwachsende Rohstoffe handelt, wäre dies besonders nachhaltig. Seit dem 1. April 2002 werden Blockheizkraftwerke durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz gefördert.
 
Gas- und Dampfkraftwerke (GuD-Kraftwerk) verfügen ebenfalls über einen besseren Wirkungsgrad als das geplante Kohlekraftwerk. Mit rund 60 Prozent elektrischem Wirkungsgrad sind GuD-Kraftwerke die effektivsten konventionellen Groß-Kraftwerke und verfügen außerdem über eine sehr kurze Anlaufphase – analog zur kurzen Bauphase.

Für ein solches GuD-Kraftwerk liegt bereits eine Genehmigung für die Ingelheimer Aue vor. Ganz im Gegensatz zum Kohlekraftwerk, das noch nicht einmal genehmigt ist. Und das so unflexibel ist, dass zwischen zwei Stunden (Heißstart: das Kohlekraftwerk war weniger als acht Stunden ausgeschaltet) und fast sieben Stunden (Kaltstart: das Kohlekraftwerk war mindestens drei Tage abgeschaltet) benötigt werden, um es überhaupt wieder in Betrieb zu nehmen, nachdem es einmal abgeschaltet wurde. Das heißt, es ist weniger flexibel und muss letztlich durchlaufen, egal, ob der erzeugte Strom benötigt wird oder nicht.
 

Sowohl als kurzfristige Ergänzung und für den mittelfristigen Umbau der Stromversorgung schlägt KoMa die Verwendung von erneuerbarer Energie vor. Aber auch das Einsparen von Strom ist ein wichtiger Pfeiler im Schutz der Umwelt und im Kampf gegen das Kohlekraftwerk. Schon 2003 hat eine Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie gezeigt, dass weite Teile der Bevölkerung sich erneuerbare Energien wünschen (Quelle: www.wind-energie.de/fileadmin/Shop/Broschueren/A-Z/BWE_A-Z_interaktiv.pdf)


Exkurs: Was man mit 1,2 Milliarden Euro Investition sinnvolles machen kann:

 
Windräder: ca. 8 Mio. Euro für eine 5 MW-Anlage. Ertrag einer Anlage: ca. 15 Mio. kWh/a. 100 WEA (im Wert von 800 Mio. Euro) genügen also rein rechnerisch um gesamten Mainzer Strombedarf zu decken!
Und diese Windräder brauchen keine teuren Brennstoffe!
 
Exkurs: Was man alles mit ca. 800.000 Euro täglich machen kann (das entspricht den TÄGLICHEN Kosten eines Kohlekraftwerks für Kohle und CO2-Verschmutzungsrechte): 
  • Jeden Tag (oder vielleicht jeden zweiten) einen neuen Kindergarten bauen.
  • Alle 10 Tage eine neue 5-MW-Windenergieanlage bauen.
  • Jeden Tag 50 Solaranlagen auf Einfamilien-Häuser bauen (mit 4 kW Leistung). Das genügt für den Bedarf eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushaltes!
  • Alle drei Tage eine neue Biogas-Anlage bauen.
Der große Unterschied zum Kohlekraftwerk: Das sind alles Investitionen in unsere Zukunft und nicht Ausgaben in Produkte (Kohle), die noch am gleichen Tag verbrannt werden!

Nur wenn wir unser Geld nicht für Importkohle ausgeben, sondern in moderne, umweltfreundliche Energieversorgung investieren, haben wir eine Chance, unsere Abhängigkeit von schmutzigen und teuren fossilen Brennstoffen endlich zu reduzieren. Ein Kohlekraftwerk würde unsere Abhängigkeit dagegen einfach nur für fünf weitere Jahrzehnte festzurren.

 

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