Kohlekraftwerk führt in teure Abhängigkeit, Preissteigerung bei Kohle noch höher als bei Gas
Eingetragen von Helen Chudzinski am 25.08.2008 - 12:17
Mainz, 16.6.2008. Um Sage und Schreibe 139% ist der Preis für Kraftwerkssteinkohle in den letzten 12 Monaten gestiegen. Am vergangenen Freitag (dem 13.!) wurde an der europäischen Energiebörse EEX mit 171,50
US-$/Tonne (111,41 Euro) ein neues Allzeithoch erreicht (Kohle für Lieferung im Jahr 2012; Quelle: www.eex.de). Die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz e.V.
(KoMa) warnt eindringlich davor, ein Kraftwerk zu bauen, das alljährlich 2 Millionen Tonnen teure Kohle benötigen würde. Beim derzeitigen Preis würde das Kraftwerk allein Kohle im Wert von über 220 Millionen Euro pro Jahr verschlingen.
In den letzten Wochen wurde in dem Medien intensiv über massive Preissteigerungen bei Mineralöl und Erdgas berichtet. Dies ist verständlich, da bei diesen Brennstoffen eine direkte Betroffenheit für die Endverbraucher vorhanden ist (Individual-Verkehr; Heizungen). Dass im gleichen Zeitraum die
Preise für Steinkohle (wir vergleichen hier die Preise für eine Lieferung im Jahr 2012 – siehe Graphik anbei) noch stärker gestiegen sind blieb leider häufig unerwähnt, so dass auch einige Politiker in Mainz meinen, man müsse aus Gründen der Preisstabilität nun doch auf Kohle setzen. Ein teurer
Irrtum!
Importabhängigkeit mit mehr erneuerbaren Energien entfliehen
„Wir fühlen uns durch die explodierenden Preise für fossile Brennstoffe in unserer Kritik an den
Kohlekraftwerks-Plänen in Mainz bestätigt“, erklärt KoMa-Sprecher Patrick Hassenpflug. „Von welch
einer Blindheit muss man geschlagen sein, wenn man in einer solchen Situation, so wie die KMW, für
1,2 Milliarden Euro ein Kraftwerk bauen möchte, das vier Jahrzehnte lang auf den Import von riesigen
Mengen immer teurer werdender Kohle abhängig sein wird? Es ist nicht zu spät umzusteuern!“
Für KoMa liegt der Schlüssel aus der Energiekrise klar in einem schnellen und starken Ausbau der
Nutzung erneuerbarer Energien. „Dann können wir steigende Brennstoffkosten entspannter
beobachten und die entwickelten Technologien sogar exportieren, denn wir sind ja bei weitem nicht
das einzige Land, das sich aus der Energie-Abhängigkeit lösen muss“, erläutert Hassenpflug. „Und
klimafreundlicher sind Erneuerbare Energien auch noch und vermeiden somit drohenden
Klimafolgekosten in Milliardenhöhe.“
GuD-Kraftwerk als sinnvolle Ergänzung – Grundlastkraftwerk überflüssig!
Für den Übergang befürwortet KoMa den Weiterbetrieb und unter Umständen auch Neubau eines
modernen GuD-Kraftwerks. „Gaskraftwerke sind nicht nur klimafreundlicher als Kohlekraftwerke,
sondern vor allem aufgrund ihrer deutlich niedrigeren Investitionskosten und aus technischen Gründen
erheblich flexibler einsetzbar“, erklärt Hassenpflug. „Mit solchen Kraftwerken könnte die KMW in
Zukunft dann Strom erzeugen, wenn er auch tatsächlich gebraucht wird, also in Zeiten niedriger
Windgeschwindigkeiten und Sonneneinstrahlinitensität. Was für einen Sinn würde es machen, mit
einem Grundlast-Kohlemeiler rund um die Uhr teuren Kohlestrom zu erzeugen, obwohl dieser zu der
Zeit gar nicht gebraucht wird?“ Die steigenden Brennstoffkosten sollten der KMW endlich die Augen
öffnen, dass man mit den knappen Brennstoffen sehr sparsam umgehen sollte. Und das heißt: Weg
kommen vom Grundlast-Kraftwerk und hin zu einem intelligenten Energiemix in dem alle verwendeten
Energieträger sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.
Graphik zur Preisentwicklung